Sätze, nach denen es teuer wird
Nicht jeder dieser Sätze ist falsch. Manche stimmen sogar. Aber wenn sie als Abwehrreaktion kommen — wenn sie benutzt werden, um eine Diskussion zu beenden statt zu führen — dann folgt ihnen meistens eine Kostenwelle, die niemand einkalkuliert hat.
„Ich will nicht geblamed werden.”
Abschnitt betitelt „„Ich will nicht geblamed werden.”“Wenn ein Team anfängt, in Schuldfragen zu denken statt in Lösungsfragen, ist die psychologische Sicherheit weg. Was folgt: Niemand benennt Probleme früh. Niemand schlägt riskante aber notwendige Änderungen vor. Alle optimieren für persönliche Deckung statt für Projekterfolg.
Was das kostet: Probleme, die in Sprint 3 für 2 Stunden lösbar gewesen wären, werden in Sprint 12 zum Release-Blocker.
„Ich brauche keine Unit Tests.”
Abschnitt betitelt „„Ich brauche keine Unit Tests.”“Vielleicht. Manchmal stimmt das sogar. Aber wer das als generelle Haltung vertritt, hat noch nie eine Refactoring-Welle ohne Sicherheitsnetz geritten.
Was das kostet: Jede Änderung wird zum Ratespiel. Regressionen sind keine Ausnahme mehr, sondern Normalzustand.
„Sonar zeigt nur Mist.”
Abschnitt betitelt „„Sonar zeigt nur Mist.”“Static Analysis zeigt, was sie zeigt. Wer sie systematisch ignoriert, ignoriert systematisch. Nicht jeder Befund ist kritisch — aber wer keinen findet, weil er nicht hinschaut, ist kein saubererer Entwickler.
Was das kostet: Schulden akkumulieren unsichtbar.
„Das machen wir später sauber.”
Abschnitt betitelt „„Das machen wir später sauber.”“Der beliebteste Lügensatz in der Softwareentwicklung. „Später” existiert nicht. Es gibt nur „jetzt” oder „nie”. Was nicht im aktuellen Sprint sauber ist, ist in der nächsten Deadline noch unsauberer.
Was das kostet: Alles, was nach diesem Satz folgt.
„Dafür haben wir keine Zeit.”
Abschnitt betitelt „„Dafür haben wir keine Zeit.”“Refactoring, Tests, Dokumentation, Reviews — alles, was nicht direkt sichtbar ist, fällt unter diesen Satz. Aber die Zeit für Bugfixes ist anscheinend immer da. Weil Bugs nicht geplant werden müssen.
Was das kostet: Technische Schuldzinsen, die sich exponentiell entwickeln.
„Das ist nur Frontend.”
Abschnitt betitelt „„Das ist nur Frontend.”“Frontend ist das System, das Nutzer sehen. Es ist der Ort, wo Business-Logik am häufigsten unkontrolliert landet. Es ist der erste Ort, an dem Conway’s Law sichtbar wird. Und es ist der Ort, an dem Architektur-Entscheidungen die meisten Nutzer direkt betreffen.
Was das kostet: Eine Präsentationsschicht ohne Grenzen, die alles kennt und nichts versteht.
„Das ist historisch gewachsen.”
Abschnitt betitelt „„Das ist historisch gewachsen.”“Das ist kein Argument. Das ist eine Kapitulation, die als Erklärung verkleidet ist. Jeder schlechte Code ist irgendwann historisch gewachsen. Die Frage ist, ob man das als unabänderlich akzeptiert oder als Problem, das Kosten hat.
Was das kostet: Die Bereitschaft, es jemals anzugehen.
„Das ist erstmal nur ein MVP.”
Abschnitt betitelt „„Das ist erstmal nur ein MVP.”“MVP-Code, der in Produktion geht, bleibt in Produktion. Der MVP-Qualifier verschwindet, der Code nicht. Was „erstmal” als vereinfachend gedacht war, wird zum Fundament für alles, was danach kommt.
Was das kostet: Das Fundament eines Systems, das niemand gewollt hat.